Wie hat sich die Badekultur eigentlich entwickelt?

Wie hat sich die Badekultur eigentlich entwickelt? 

Schwimmen im offenen Meer, ein wohltuendes Bad im Thermalwasser, ein paar Bahnen im Schwimmbad, Badespaß im Erlebnisbad oder eine kurze Auszeit in der heimischen Badewanne: Die Badekultur heute hat viele Gesichter. Aber wie war das früher?

 

Und wie hat sich die Badekultur eigentlich entwickelt? 

Die Badekultur in der Antike

Die alten Römer und Griechen wussten die wohltuende Wirkung von Bädern nicht nur zu schätzen, sondern gelten als wahre Meister der Badekunst. Sie bauten beeindruckende Badehäuser, die dank raffinierter Heizsysteme unterschiedlich warme Räume, Dämpfbäder, milde Saunen und das Baden in warmem Wasser boten. Die Römer nutzten ihre Thermen, um sich zu erholen und zu entspannen. Gleichzeitig war der Besuch eines öffentlichen Badehauses ein gesellschaftliches Ereignis. Zutritt zu den Thermen hatten zunächst aber nur Männer.

Erst später wurde auch Frauen der Zutritt gewährt, allerdings badeten Männer und Frauen nicht gemeinsam. Wer es sich leisten konnte, gönnte sich deshalb ein privates Badegemach. Hier wurde mit allen Sinnen genossen. So wuschen sich die Anwesenden und badeten gemeinsam. Sie ließen sich massieren und kosmetisch behandeln, genossen köstliche Speisen und liebten sich.  

Die Badekultur im Mittelalter

Der Niedergang des Römischen Reiches ließ auch die Badekultur in Europa in einen Dornröschenschlaf fallen. Erst als Kreuzfahrer im 12. und 13. Jahrhundert von ihren Reisen in den Orient die islamische Badekultur mitbrachten, wurde auch in Europa das gemeinschaftliche Baden wiederentdeckt. Wie schon in der Antike diente das Baden aber nicht nur der Sauberkeit und der Körperpflege. Stattdessen kamen der Unterhaltung und der Erotik bedeutsame Rollen zu.

Um zu vermeiden, dass es in den Badehäusern zu unsittlich zuging, bleib es auch im Mittelalter dabei, dass Männer und Frauen in öffentlichen Badehäusern getrennt voneinander badeten. Die privaten Badestuben hingegen wurden nicht selten zum Liebestempel und in den im Mittelalter sehr beliebten Badezubern ließ man der schamlosen Lust freien Lauf.

Durch das Baden wurden die eigenen Vorstellungen von Hygiene umgesetzt. Dies brachte mit sich, dass die Badekultur immer auch mit Scham und Enthaltsamkeit oder Wolllust einherging. Ab dem späten Mittelalter galt das Baden in der Öffentlichkeit als unsittlich. Die christliche Kirche bewertete das öffentliche Baden als verwerflich, überflüssig und ein Luxus, der die Menschen unnötig verweichlicht.

Deshalb sprach sie ein Badeverbot aus und erhob es zu einer Tugend, wenn jemand nicht badete. Nachdem sich im 15. und 16. Jahrhundert Krankheiten wie Syphilis und die Pest ausbreiteten und auch immer mehr Ärzte erklärten, dass die Badeanstalten schädlich und unnötig wären, wurden viele öffentliche Badehäuser geschlossen. Dies sollte lange Zeit so bleiben. In den folgenden Epochen zogen es die Menschen vor, sich zu pudern, zu parfümieren und die Kleidung zu wechseln, als Wasser für die Körperhygiene zu verwenden.   

Die Badekultur im 17., 18. und 19. Jahrhundert

Zu Zeiten der Aufklärung fand zum einen die Rückbesinnung darauf statt, dass eine ordentliche Körperhygiene, zu der das Waschen mit Wasser unbedingt dazugehörte, sinnvoll und nützlich ist. Zum anderen propagierten Ärzte und Wissenschaftler die wohltuende und heilsame Wirkung von warmen Quellen. Schon vorher galten vereinzelte Thermalquellen wie beispielsweise jene in Bad Pyrmont als wundersame Jungbrunnen.

Ab dem 17. Jahrhundert kam es aber erst so richtig in Mode, in Kurorte zu reisen und dort die Mineral- und Thermalquellen zu genießen. In den beiden folgenden Jahrhunderten wurden die eleganten Heilbäder dann zum Treffpunkt der Reichen und Schönen. Die gutbetuchten Badegäste ließen sich die gesunde Luft in den Kurorten um die Nase wehen und nutzten die wohltuenden und heilenden Wässer. Das Ziel eines Kuraufenthaltes war die körperliche Genesung in Kombination mit seelischem Wohlbefinden und einem guten, gesunden Aussehen.

Es ging also schon damals um das, was wir heute unter Wellness verstehen. Dabei spielte in den Kurbädern aber auch die Geselligkeit eine wichtige Rolle. Ebenso wie die verschiedenen medizinischen und kosmetischen Anwendungen waren die Unterhaltung, die Kultur und nicht zuletzt auch der berühmte Kurschatten feste Bestandteile des Gesamtprogramms.  Schon zu Zeiten der Aufklärung wurden viele Ansätze im Bereich Medizin und Hygiene reformiert. Dazu gehörte auch, dass die Ärzte Bewegung in der freien Natur empfohlen.

Trotzdem sollte es noch eine Weile dauern, bis auch das Baden in offenen Gewässern populär wurde. 1793 stellte der Schriftsteller und Physiker die Forderung auf, dass es in Deutschland ein großes öffentliches Seebad geben sollte. Kurze Zeit später schloss sich der Leibarzt des Rostocker Herzogs Friedrich Franz I. dieser Auffassung an und empfahl, einen Kurort an der See zu gründen. Er stellte sich heilende Badereisen vor und definierte in diesem Zuge Baderegeln, die der Vorsorge und der Gesundung dienen sollten.

Der Herzog war von dieser Idee sehr angetan, denn er versprach sich Einnahmen, die ihm bei der Sanierung seiner Staatsfinanzen helfen würden. Also erweiterte er das Angebot um ein Kunst- und Kulturprogramm und gründete in Bad Doberan das erste deutsche Seebad. Als Vorbild hatte ihm das Seebad im englischen Brighton gedient. Der Herzog und sein Gefolge waren begeistert von ihrem Seebad und schon bald entdeckten auch Prominente und Wohlhabende das Bad an der Ostsee für sich.

Ganz in englischer Manier machte sich die vornehme Gesellschaft mit Pferdewagen und in modischer Strandgarderobe gekleidet auf den Weg an den Strand. Die mondäne Dame setzte sich auf einen Badekarren, der sie ins Wasser brachte. Daneben waren Schaluppen sehr beliebt. Schaluppen waren kleine Badeschiffe, die den Badegast mithilfe einer käfigartigen Vorrichtung zu Wasser ließen. Nach dem großen Erfolg von Bad Doberan wurden schon bald weitere Seebäder an der deutschen Nord- und Ostsee gegründet.    

Die Badekultur heute

Ab den 1950er-Jahren wurden Gesundheits- und Heilungsprogramme öffentlich gefördert. Dies bescherte den Kur- und Heilbädern wahrlich rosige Zeiten. Die Ärzte und die Krankenkassen verordneten selbst einfachsten Arbeitern großzügig Kuren.

Die Thermal- und Seebäder boomten, Kliniken und Kurhotels schossen wie Pilze aus dem Boden und neben den Luxusangeboten für Wohlhabende wurden Kur- und Genesungsprogramme für jedermann etabliert. Heute haben es die klassischen Kurorte recht schwer. Kuren werden seltener und weniger verordnet und einen reinen Kururlaub auf eigene Kosten können sich viele nicht leisten. Hinzu kommt die große Konkurrenz.

In nahezu jeder Stadt gibt es ein Schwimmbad mit umfangreichem Wellnessangebot, moderne Thermalbäder bieten verschiedenste Anwendungen als Stunden- oder Tagesprogramm und Wellness-Einrichtungen kombinieren Entspannung, Gesundheitsvorsorge und Beauty-Anwendungen miteinander. Nicht zu vergessen ist außerdem, dass heute jeder sein eigenes Badezimmer hat, in dem er seine ganz persönliche Vorstellung von Badekultur umsetzen kann.

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