Weltumseglungen damals und heute

Weltumseglungen damals und heute

Früher waren es abenteuerlustige Seefahrer, die sich auf den Weg machten, um neue Gebiete zu entdecken und Handelswege aufzuspüren, um dann mit allerlei Kostbarkeiten aus fernen Ländern wieder nach Hause zu kommen. Später waren es Forscher und Wissenschaftler, die die Tiefsee ergründen wollten.

Ihnen folgten wagemutige Individualisten, die Weltumseglungen als Sportart verstanden und sich stetig um neue Rekorde bemühten. Inzwischen sind Segelboote hochmoderne Wasserfahrzeuge und bei der Navigation verlassen sich die Segler nicht mehr auf Seekarten und Sextanten, sondern auf Satelliten.

Trotzdem hat sich eines nicht geändert:

Weltumseglungen damals und heute waren und sind ein riskantes Abenteuer.

Magellan, Elcano und die erste Weltumseglung

Fernando Magellan hatte sich in den Kopf gesetzt, den westlichen Seeweg zu den Gewürzinseln zu erschließen. Da der portugiesische König sich geweigert hatte, die Fahrt zu den indonesischen Inseln zu finanzieren, brach Magellan unter spanischer Flagge auf. Seine Flotte bestand aus fünf alten und abgenutzten Karavellen. Seine Mannschaft war rund 260 Mann stark, aber die wenigsten Besatzungsmitglieder nahmen freiwillig an der Fahrt teil.

Deshalb kam es an Bord immer wieder zu Meutereien. Hunger, Krankheiten und Unwetter sollten die Fahrt zusätzlich erschweren. Am 10. August 1519 stachen die fünf dreimastigen Segelschiffe von Sevilla aus in See. Der Erfahrung Magellans war es zu verdanken, dass die Expedition auf Kurs blieb und im November 1520 die Seestraße an der Südspitze Südamerikas, die den Atlantik und den Pazifik miteinander verbindet und später nach Magellan benannt wurde, passierte.

Am 7. April 1521 erreichte die Flotte schließlich die Philippineninsel Cebu. Magellan starb kurze Zeit später bei einer Auseinandersetzung mit Bewohnern der Nachbarinsel. Obwohl er von seiner Fahrt also niemals zurückkehrte, gilt er trotzdem als der erste Weltumsegler überhaupt.

Im August 1522 lief die Expedition wieder im Heimathafen Sevilla ein. Von der Flotte waren allerdings nur noch das Segelschiff Victoria und 18 Seefahrer übrig geblieben. Damit sind Kapitän Juan Sebastian Elcano und seine 17 Besatzungsmitglieder die ersten wahren Weltumsegler.

Sir Francis Drake und seine ungeplante Weltumseglung

Es ist nicht bekannt, welche Absichten Sir Francis Drake verfolgte, als er am 13. Dezember 1577 in See stach. Jedenfalls brach er mit einer Flotte aus fünf Segelschiffen auf und segelte in Richtung Südamerika. Noch bevor er die Magellanstraße erreicht hatte, verlor er zwei seiner Schiffe. Zwei weitere Schiffe musste er direkt nach dem Passieren der Magellanstraße aufgeben.

Davon unbeeindruckt, segelte Drake weiter. Er steuerte seine Golden Hinde, eine mit 18 Kanonen bewaffnete Galeone, an der südamerikanischen Westküste entlang und nahm unterwegs mit, was die spanischen Schiffe und Siedlungen so hergaben. Mit großen Silber- und Goldschätzen an Bord trat er schließlich den Heimweg an. Vermutlich aus Angst, auch sein Schiff mitsamt den erbeuteten Kostbarkeiten zu verlieren, entschied sich Drake nun aber für eine andere Route.

Statt über die Magellanstraße nahm Drake eine Route, die ihn über Nordamerika, weiter zu den Gewürzinseln, dann um das Kap der Guten Hoffnung herum und schließlich zurück nach England führte. Nach mehr als 1.000 Tagen lief Drake im Heimathafen an und wurde so zum ersten Engländer, der die Welt umsegelt hatte, auch wenn diese Weltumseglung wohl gar nicht geplant gewesen war.

Bougainville und seine Weltumseglung zu Forschungszwecken

Louis Antoine de Bougainville gehört zu den ersten Forschern, die die Welt umsegelten. Im Dezember 1766 brach der Franzose im Auftrag seiner Regierung auf, mehrere Naturforscher begleiteten ihn. Zweieinhalb Jahre lang blieb Bougainville auf See, um dann mit vielen wichtigen Erkenntnissen von seiner Expedition zurückzukehren. Immerhin war es ihm gelungen, große Teile des Pazifiks zu erforschen.

So war nun bekannt, wo welche Inselgruppen lagen, wie die Küsten verliefen, aus welchen Richtungen die vorherrschenden Winde kamen oder auch wie tief der Ozean in den Passagen war, die als schwierige Durchfahrten galten. Nicht ganz 100 Jahre später stach eine britische Expedition in See. Die Forscher und Wissenschaftler umsegelten dreieinhalb Jahre lang die Welt und widmeten sich dabei der Tiefseeforschung.

Sie untersuchten die Weltmeere an über 350 Stellen, erforschten die Gewässer bis zu einer Tiefe von rund 8.000 Metern und stießen auf gut 4.000 bis dahin unbekannte Tierarten. Ihr Schiff, eine Korvette namens HMS Challenger, war zwar ein Segelschiff, verfügte aber zusätzlich über Dampfantrieb.

Slocum und eine neue Ära der Weltumseglungen

In der Schifffahrt, sowohl im Bereich der Handelsschifffahrt als auch bei Forschungsreisen, wurde zunehmend der technische Fortschritt genutzt. Parallel dazu machten abenteuerlustige Individualisten eine Weltumseglung als sportliche Herausforderung mit der Möglichkeit, sich durch neue Rekorde einen Namen zu machen, aus. Ein Pionier im neuen Zeitalter der Weltumseglungen war Joshua Slocum.

Der US-Amerikaner brach 1895 auf, um auf sich alleine gestellt die Welt zu umsegeln. Für viele wäre das schon genug Nervenkitzel gewesen, Slocum setzte er aber noch einen drauf. So wählte er mit der Spray einen altes Austernfischerboot und verließ sich in Sachen Navigation nur auf einen Sextanten und eine alte Uhr, bei der sogar der Minutenzeiger fehlte.

Drei Jahre lang war er unterwegs, dann kehrte der Weltumsegler wohlbehalten nach Hause zurück. Seine Tour hielt er in dem Buch Sailing Alone around the World fest, das zu einem Klassiker der Seeliteratur werden sollte. Solcums Ruhm hielt jedoch nicht lange an. 1909 forderte das Meer schließlich seinen Tribut, Slocum blieb auf dem Nordatlantik verschollen.

Weltumseglungen heute

Viele wagemutige Wassersportler taten es Slocum gleich, wie viele genau als Solosegler die Welt umrundeten, ist jedoch nirgends aufgezeichnet. Als in den 1970er-Jahren moderne Selbststeueranlagen entwickelt wurden, wurden Einhand-Weltumseglungen populär.

Bei solchen Touren ist nur ein Segler an Bord. Inzwischen gab es in Sachen Weltumseglung nichts, was es nicht schon einmal gab. Die Welt wurde einmal oder mehrfach, mit Stopps und ohne, mit oder gegen den Wind umsegelt. Mit der Jules Verne Trophy gibt es sogar einen Preis, der an denjenigen verliehen wird, der die Welt in seiner Disziplin am schnellsten umrundet. Trotzdem hat eine Weltumseglung auch heute noch nichts von ihrem Reiz verloren und bleibt trotz moderner Technik ein großes Abenteuer.

Mehr Tipps, Anleitungen und Ratgeber zu Wassersport & Schifffahrt:

Thema: Weltumseglungen damals und heute

Teilen:

Veröffentlicht von

Redakteure

Hier schreiben Gerry Maissen, 37 Jahre alt, Tauchlehrer und Wassersportler, Nadine Schumann, geboren 1989, Kanu und Kayak Sportlerin, die viel auf Reisen ist, sowie Herbert Motzki 54 Jahre, Geschäftsführer einer Bootbau- und Handelsfirma. Wir möchten Wissenswertes zum Wassersport, schönen Reisezielen und Tauchgebieten, sowie Technisches und Anforderungen für jegliche Schifffahrt vermitteln.

Kommentar verfassen