Wenn Paare paddeln…

Wenn Paare paddeln…

Mit dem Kanu über Flüsse und Seen zu gleiten, ist nicht nur eine schöne Möglichkeit, die Freizeit in der Natur zu verbringen und das Erlebnis mit einer sportlichen Aktivität zu verbinden.

Stattdessen kann das gemeinsame Paddeln auch zu einer Art Paartherapie werden, die die Beziehung stärkt oder aber ihren Status auf die Probe stellt. Denn genauso wie auf dem Lande ist auch zu Wasser entscheidend, dass das Paar den richtigen, gemeinsamen Rhythmus findet.

Wenn Paare paddeln…:

 

… sitzen sie in einem Boot.

Beim Paddeln geht es nicht nur um den Sport, sondern auch um Romantik. Das Kanu gleitet sanft über das Wasser, unter freiem Himmel, vorbei an herrlichen Landschaften und begleitet von verschiedenen Tieren.

Reine Muskelkraft treibt das Boot voran, während es sich ruhig und leise seinen Weg durch die Wasserstraße bahnt. Was nach Idylle pur klingt, kann jedoch trügerisch und tückisch sein. Denn das Kanu kommt nur dann wirklich vorwärts, wenn das Paar harmonisch agiert. Paddel, die im gleichen Rhythmus ins Wasser eintauchen und durchgezogen werden, sind Voraussetzung dafür, dass das Boot seinen Weg findet und zurücklegen kann.

Die erste Probe wartet aber schon vorher auf das Paar. Zunächst einmal gilt es nämlich, die Sitzordnung zu bestimmen. Derjenige, der hinten sitzt, hat das Sagen. Er gibt den Rhythmus beim Paddeln vor, er lenkt und steuert das Kanu und er sorgt dafür, dass das Boot auf Kurs bleibt.

Geht es harmonisch zu, lässt sich derjenige, der vorne sitzt, auf die Rollenverteilung ein. Er passt sich an, ordnet sich in gewisser Hinsicht unter und überlässt dem Hintermann die Kontrolle, kann im Gegenzug aber die romantischen Landschaften bei freier Sicht genießen. Die Sitzordnung im Boot sagt insofern viel über das Rollenverständnis in der Partnerschaft aus.

Ein wirklich harmonisches, aufrichtiges Miteinander wiederum kommt dadurch zum Ausdruck, dass sich die Partner abwechseln. Beim Paddeln sitzen beide Partner buchstäblich in einem Boot und wenn es ist wie im richtigen Leben, wo jeder mal der Lenkende ist und mal derjenige, der sich eher fallen lässt, wird die Kanutour umso schöner.

 

… geht es um Harmonie.

Sitzen beide Partner im Boot, beginnt die Reise. Damit steht das Paar vor seiner nächsten Probe. Nur wenn es jetzt gelingt, den richtigen Rhythmus zu finden, setzt sich das Kanu in Bewegung und schiebt sich Zug um Zug nach vorne. Mitunter dauert es aber eine ganze Weile, bis sich ein harmonischer Rhythmus einstellt.

Zu leicht kommen sich die Paddel in die Quere oder der Gleichschlag im richtigen Tempo will sich einfach nicht finden lassen. Gut ist, wenn sich das Paar die Zeit nimmt, um sich aufeinander abzustimmen. Noch besser ist es, wenn das Paar gemeinsam über die anfänglichen Schwierigkeiten lachen kann und die Wasserreise mit einem Lächeln auf den Lippen fortsetzt.

Kommt es hingegen zu Vorwürfen, bissigen Kommentaren oder gar zum Streit, dürfte es auch im Alltag um das harmonische Miteinander nicht allzu gut bestellt sein.

Es ist nicht notwendig, ein ausgewiesener Sportfan mit einer entsprechend guten körperlichen Fitness zu sein, um eine Kanutour zu unternehmen. Gerade bei einem Ausflug als Paar steht ja auch nicht unbedingt die sportliche Leistung im Vordergrund. Stattdessen geht es eher um das gemeinsame Erlebnis. Ist ein Stück der Strecke auf dem Wasser zurückgelegt, macht sich aber allmählich die Erschöpfung ein wenig bemerkbar.

Das Paddeln fällt zunehmend schwerer, die Kraft und die Energie schwinden, während der Wunsch, das selbst gesteckte Ziel doch bald zu erreichen, wächst. In dieser Situation steht das Paar vor seiner größten Herausforderung. Wie im richtigen Leben stellt sich nun nämlich die Frage, wer die notwendige Kraft aufbringt, durchhält und die Arbeit für den anderen mitmacht und wer derjenige ist, der sich zurücklehnt und mitziehen lässt.

Mitunter kommt es zu Unstimmigkeiten und es werden Vorwürfe laut, die fehlenden Biss, mangelndes Durchhaltevermögen, kein sich Zusammenreißen-Können auf der einen und Unverständnis auf der anderen Seite bemängeln. Auch die Pausen können Diskussionsstoff bieten.

Vielleicht möchte der eine Partner den einen oder anderen Stopp einlegen, an einem schönen Uferstück verweilen und bei einem kleinen Picknick etwas die Seele baumeln lassen, während der andere Partner nicht unnötig herumtrödeln will. Vielleicht möchte der eine Partner den Landgang auskosten, während es den anderen Partner möglichst schnell wieder aufs Wasser zieht.

Wie im richtigen Leben kommt es auch bei einer Kanutour somit immer wieder darauf an, einen Kompromiss zu finden.

 

… erreichen sie das Ziel gemeinsam.

Die kleinen Stolpersteine und Bewährungsproben beim Paddeln sind Herausforderung und große Chance in einem. Das Paar sitzt in einem Boot und es gibt keine Chance, einander auszuweichen. An Land besteht meist die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, den Partner stehen zu lassen oder zum Aggressionsabbau irgendetwas durch die Gegend zu schleudern.

Im Kanu hingegen bleibt keine andere Wahl, als dass sich beide Partner zusammenreißen und eine Lösung finden. Natürlich kann ein Partner sein Paddel wutentbrannt ins Wasser schmeißen. Damit nimmt er aber nicht nur dem Paar als Einheit, sondern auch sich selbst die Chance, die Fahrt fortzusetzen und das Ziel zu erreichen.

Auch ein Ausstieg aus dem Boot ist grundsätzlich möglich. Er hat allerdings zur Folge, dass der Aussteiger dann ans Ufer schwimmen muss. Letztlich zwingt das Kanu das Paar also geradezu, sich zu einem Kompromiss durchzuringen.

In dem Moment, wo das Paar am Endpunkt ankommt und das Kanu aus dem Wasser zieht, spielt das gemeinsame Paddeln seine geballte therapeutische Stärke aus. Die kleinen Unstimmigkeiten unterwegs sind schnell vergessen. Stattdessen macht sich ein Gefühl des Glücks und des Stolzes breit. Das Paar saß in einem Boot, hat den richtigen Rhythmus gefunden und die Wegstrecke gemeinsam gemeistert.

Es hat der Strömung, Hindernissen und dem Wetter getrotzt. Im Rückblick war die Kanutour vielleicht nicht so romantisch wie erhofft und womöglich deutlich anstrengender als gedacht. Was am Ende zählt, ist aber, dass sich das Paar ein Ziel gesteckt und dieses Ziel tatsächlich zusammen erreicht hat. Dies wiederum kann auch mit Blick auf die alltäglichen Herausforderungen und großen Lebensziele zuversichtlich stimmen. Immerhin weiß das Paar ja jetzt, dass es gemeinsam etwas schaffen kann.

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Redakteure

Hier schreiben Gerry Maissen, 37 Jahre alt, Tauchlehrer und Wassersportler, Nadine Schumann, geboren 1989, Kanu und Kayak Sportlerin, die viel auf Reisen ist, sowie Herbert Motzki 54 Jahre, Geschäftsführer einer Bootbau- und Handelsfirma. Wir möchten Wissenswertes zum Wassersport, schönen Reisezielen und Tauchgebieten, sowie Technisches und Anforderungen für jegliche Schifffahrt vermitteln.

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