15 PS-Regelung für Sportboote

15 PS-Regelung für Sportboote  – Vorteile und Nachteile 

Nach zähem Ringen und langwierigen Verhandlungen hat sich die schwarz-gelbe Koalition mit ihren Reformplänen für die Sportschifffahrt durchgesetzt. Die neuen Regelungen gelten bereits seit Oktober 2012, werden faktisch jedoch erst in der Wassersportsaison 2013 greifen. 

Die mit Abstand wichtigste Änderung besteht darin, dass für Sportboote bis 15 PS (11,03 kW) kein Führerschein mehr erforderlich ist. Bislang lag die Grenze für die Führerscheinfreiheit bei 5 PS (3,68 kW).    

Sinn und Zweck der Reform

Die neuen Regelungen sind mit Hoffnungen in zweierlei Hinsicht verknüpft. So soll die Sportschifffahrt zum einen neue Impulse erhalten, die sich positiv auf ihre künftige Entwicklung auswirken. Zum anderen soll die Reform den Einstieg in den Bootssport einfacher und attraktiver machen.

Allein schon aufgrund der demographischen Entwicklung wird die Anzahl an Sportbootkapitänen in den kommenden Jahren spürbar sinken. Insofern sind sich Befürworter der Reform einig, dass es an der Zeit war, Hemmschwellen abzubauen. Bislang gehörten die deutschen Führerscheinvorschriften zu den strengsten in Europa. Durch eine Lockerung der Regeln können nicht nur Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen Wassersportnationen im touristischen Bereich reduziert werden.

Genauso eröffnet sich für Interessierte die Möglichkeit, die Sportschifffahrt kennenzulernen und auszuprobieren, ohne dass gleich Lizenzen notwendig sind. Kritiker hingegen befürchten negative Folgen für die Sicherheit.

So müsse nicht nur mit mehr Zwischenfällen mit Sportbootbeteiligung gerechnet werden, sondern unausgebildete Führer von leistungsstärkeren und schnelleren Booten würden auch die Unfallgefahren für andere Wassersportler wie Kanuten, Paddler, Segler und Surfer erhöhen. 

15 PS-Regelung für Sportboote  – die Vor- und Nachteile

Sicherlich ist es kaum möglich, jetzt schon Urteile darüber zu fällen, ob die Reform sinnvoll war oder ob nicht. Eine erste Bilanz wird erst nach der Wassersportsaison 2013 gezogen werden können, für ein echtes Fazit werden die Beobachtungen und Erfahrungen aus zwei, drei Jahren notwendig sein.

Trotzdem können schon jetzt die Vor- und Nachteile der 15 PS-Regelung gegeneinander abgewogen werden.   Wer schon einmal einen Fluss oder einen Kanal mit einem Boot, das eine Motorleistung von maximal 5 PS hatte und mit drei Personen besetzt war, befahren hat, wird vermutlich bestätigen können, dass der Fahrspaß nicht so richtig aufkommen wollte.

Unter diesen Bedingungen ist ein solches Boot nämlich nicht nur vergleichsweise langsam, sondern es fehlt einfach die Motorleistung, um buchstäblich auch einmal gegen den Strom zu schwimmen. Mit 15 PS sieht die Situation schon ganz anders aus. 15 PS machen ein Boot schneller, leistungsstärker und reichen aus, um auch ein größeres Boot anzutreiben. Übrigens bedeutet die neue 15 PS-Regelung nicht, dass der Gesetzgeber die zulässige Motorleistung für führerscheinfreies Fahren einfach verdreifacht hat, sondern er hat sie in Abhängigkeit vom Bootstyp angehoben.

Natürlich sind es aber nicht nur Sportbootkapitäne, die von der neuen Regelung profitieren.

Auch die Bootswirtschaft freut sich auf gute Geschäfte mit neuen Kunden. Schließlich ist es nicht unwahrscheinlich, dass solche Kunden den Bootssport für sich entdecken, denen die Sportschifffahrt unter den bisherigen Regelungen wenig attraktiv erschien. Es könnte also durchaus Bewegung in den Markt rund um neue und gebrauchte Boote samt Zubehör kommen. Ähnliches gilt für den Tourismus, der sein Wassersportangebot auf Seen und Flüssen ausbauen und damit attraktiver gestalten kann.  

Aber es gibt auch Schattenseiten. Angenommen die Neuregelungen würden die gewünschten Ziele erreichen und die Anzahl an Sportbootkapitänen würde sich spürbar erhöhen, hätte dies einen Anstieg der Boote und der Aktivitäten auf den Seen und Wasserstraßen zur Folge. Fraglich ist aber, ob die vorhandenen Infrastrukturen für eine spontane Zunahme wirklich ausgelegt sind.

Gerade in städtischen Ballungsräumen könnten die Grenzen für die verkehrtechnischen Kapazitäten und die Belegungsdichten recht schnell erreicht sein, zumal in den vergangenen Jahren Schleusen, Durchfahrten und Liegeplätze eher reduziert, denn ausgebaut wurden. Außerdem darf die Sicherheit nicht aus den Augen verloren werden. Im Prinzip lässt sich an diesem Punkt ein Vergleich mit dem Straßenverkehr ziehen.

Junge, unerfahrene Autofahrer können Gefahrensituationen häufig noch nicht richtig einschätzen und sind zudem bisweilen ein wenig übermütig. Ältere Verkehrsteilnehmer hingegen haben oft ein reduziertes Reaktionsvermögen und brauchen länger, um sich neue Fertigkeiten anzueignen. Genau diese beiden Gruppen dürften jedoch die Kernzielgruppen für den reformierten Bootssport sein.

Jüngere Kapitäne deshalb, weil sie nun den Wassersport mit wesentlich weniger Einschränkungen praktizieren können, ältere Kapitäne deshalb, weil sie schlichtweg die Zeit und die finanziellen Mittel für diese Form der Freizeitgestaltung haben.

Ein Bootsführer, der ohne theoretische Ausbildung und ohne praktische Erfahrung zum ersten Mal auf sich allein gestellt mit einem Sportboot unterwegs ist, bedeutet, egal wie man es dreht und wendet, ein erhöhtes Sicherheitsrisiko für sich selbst und für alle anderen auf und im Wasser.

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