Die Faszination des Apnoe-Tauchens

Die Faszination des Apnoe-Tauchens

Das Eintauchen in die aufregende und geheimnisvolle, stille und gleichzeitig so lebendige und bunte Unterwasserwelt, das schwerelose Gleiten durch das Wasser oder das Entdecken von Strukturen und Gebilden, die es an Land nicht gibt, sind nur ein paar Aspekte, die die Faszination des Tauchsports ausmachen. Doch längst nicht jeder Wassersportler gibt sich damit zufrieden.

Einen ganz besonderen Kick, der den Taucher an seine körperlichen Grenzen bringt, verspricht das Apnoe-Tauchen. Diese Variante des Tauchens erfordert zwar viel Übung und sehr viel Training und birgt selbst dann noch große Risiken. Aber vielleicht ist es gerade das, was die Faszination des Apnoe-Tauchens ausmacht.

Das Apnoe-Tauchen

Apnoe ist der Fachbegriff für Atemstillstand. Beim Apnoe-Tauchen tauchen die Wassersportler ohne Luft in Tiefen von über 200 Meter ab. Medizinisch sind solche Leistungen kaum zu erklären. In solchen Tiefen kann der Mensch ohne weitere Hilfsmittel nämlich eigentlich nicht überleben. Auch das minutenlange Auskommen ohne Sauerstoff grenzt an ein unerklärliches Können.

Durch diese besonderen Fähigkeiten der Taucher eilt dem Apnoe-Tauchen der Ruf des fast schon Mystischen voraus. Dass die Apnoe-Taucher zu solchen Leistungen fähig sind, ist das Ergebnis von langem und hartem Training. Hochtrainierte Sportler sind in der Lage, ihren Ruhepuls auf sechs bis sieben Schläge pro Minute zu senken. Gleichzeitig sind die Lunge und das Herz vergrößert. Dadurch ist eine ausreichende Sauerstoffversorgung auch bei anhaltender Belastung sichergestellt.

Dies wiederum macht es möglich, den sogenannten breath-hold-breaking-point hinauszuzögern. Der breath-hold-breaking-point bezeichnet den Zeitpunkt, ab dem sich der Atemreiz nicht mehr unterdrücken lässt. Wenn jemand die Luft anhält, übernimmt der Sauerstoff, der im Blut vorhanden ist, zeitweise die Versorgung des Gehirns und der Organe.

Da aber weder ein- noch ausgeatmet wird, steigt gleichzeitig der Kohlendioxydspiegel an, denn das Kohlendioxyd würde normalerweise ausgeamtet werden. Rezeptoren im Körper überwachen den Sauerstoff- und den Kohlendioxydgehalt. Hat der Kohlendioxydspiegel einen gewissen Grenzwert überschritten, ist der breath-hold-breaking-point erreicht. Der Körper startet dann eine Art Notfallprogramm, das dazu führt, dass der Taucher den Atemreflex nicht mehr unterdrücken kann.

Die Atemtechniken beim Apnoe-Tauchen

Eine besondere Schwierigkeit stellt der Druckausgleich dar. Schon in 30 Metern Tiefe schrumpft das Lungenvolumen auf ein Viertel seiner normalen Größe zusammen. Die höchstmögliche Ausatmungskapazität ist damit erreicht. Gleichzeitig kann im Rachenraum kein ausgleichender Druck aufgebaut werden. Um das Lungenvolumen zu vergrößern, wenden Apnoe-Taucher verschiedene Atemtechniken an. So arbeiten sie beispielsweise mit der Stoßatmung oder der Lungenseitenatmung. Auch die Zwerchfellatmung kommt zum Einsatz.

Durch die Atemtechniken lässt sich die Lungenkapazität steigern. Gleichzeitig bleibt das Zwerchfell flexibler, was den Druckausgleich erleichtert. Unterstützt werden kann der Druckausgleich, indem der Taucher mit der Zunge gegen den Gaumen drückt.

Medizinische Untersuchungen zum Verhalten der Lunge in großen Tiefen haben gezeigt, dass der sogenannte Bloodshift auch beim Menschen stattfindet. Dieses Phänomen ist von Delphinen und Walen bekannt. Damit die Sauerstoffversorgung der lebensnotwendigen Organe gewährleistet ist und es zu keinem Zusammenfallen der Lunge durch den Wasserdruck kommt, fließt das Blut aus den Armen und den Beinen zur Körpermitte hin.

Die Lungenbläschen schwellen an, was dazu führt, dass der Hohlraum kleiner wird und die Lunge nicht mehr zusammenfallen kann. Um den Hohlraum aufrechtzuerhalten, wird die Lunge in großen Tiefen direkt mit Blut und Plasma aufgefüllt. Voraussetzung dafür sind jedoch gut trainierte Lungenflügel. Beim Aufsteigen fließt die Flüssigkeit aus der Lunge wieder ab. Würde die Flüssigkeit in der Lunge verbleiben, könnte dies zum Erstickungstod führen.

Die Disziplinen beim Apnoe-Tauchen

Das Apnoe-Tauchen, das im Deutschen auch Freitauchen genannt wird, kennt sechs Disziplinen. Wettkämpfe werden aber nur in vier Disziplinen ausgetragen.

Die Disziplinen beim Apnoe-Tauchen sind folgende:

· Static ist eine Wettkampfdisziplin und findet im Pool statt. Beim Static handelt es sich um Zeittauchen. Es wird ermittelt, wie lange der Apnoe-Taucher unter Wasser bleiben kann, ohne Luft zu holen.

· Dynamic ist ebenfalls eine Wettkampfdisziplin. Beim Dynamic, das im Pool stattfindet, handelt es sich um Streckentauchen. Ermittelt wird, wie lang die Strecke ist, die der Apnoe-Taucher mit nur einem Atemzug zurücklegen kann. Das Tauchen erfolgt sowohl mit als auch ohne Flossen.

· Konstantes Gewicht bezeichnet eine Wettkampfdisziplin, bei der es um das Tieftauchen geht. Dabei darf der Apnoe-Taucher keine Gewichte oder anderen Hilfsmittel verwenden, sondern muss ausschließlich aus eigener Kraft absteigen.

· Libre ähnelt dem Konstanten Gewicht. Der Unterschied besteht aber darin, dass der Apnoe-Taucher ein Seil als Hilfsmittel beim Ab- und Aufstieg verwenden darf. Libre ist eine Wettkampfdisziplin, Wettkämpfe werden allerdings eher selten ausgetragen.

· Variables Gewicht ist eine Disziplin des Tieftauchens. Bei seinem Abstieg darf der Apnoe-Taucher einen Tauchschlitten benutzen. Der Tauchschlitten darf maximal 35 Kilogramm wiegen. Der Aufstieg muss aus eigener Kraft erfolgen. Allerdings ist es zulässig, wenn sich der Apnoe-Taucher am Orientierungsseil hochzieht. Das Variable Gewicht ist keine Wettkampfdisziplin, es werden lediglich Rekordlisten geführt.

No Limit ist die spektakulärste und faszinierendste Form des Apnoe-Tauchens. Weil sehr große Tiefen erreicht werden, ist es aber auch die mit Abstand gefährlichste Disziplin. Für den Abstieg darf der Apnoe-Taucher einen Tauchschlitten verwenden. Beim Tauchschlitten gibt es keine Gewichtsbegrenzung.

Beim Aufstieg kann der Apnoe-Taucher für die zweite Hälfte des Rückwegs einen Hebesack benutzen. Beim No Limit werden Rekordlisten geführt, Wettkämpfe werden nicht ausgetragen.

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