Effektive Maßnahmen um sich vor Piraten zu schützen

Effektive Maßnahmen, um sich vor Piraten zu schützen 

Dass Piraten nicht nur in Filmen und Büchern auftauchen, sondern bis heute auch in der Realität ihr Unwesen treiben, dürfte den meisten bekannt sein. In der öffentlichen Wahrnehmung rückt die Bedrohung zwar oft ein wenig in den Hintergrund.

Dies erklärt sich vermutlich damit, dass die Medien häufig nur von spektakulären Piratenangriffen und von solchen Attacken, die sich gegen Schiffe unter deutscher Flagge oder mit deutscher Besatzung richten, berichten. 

Trotzdem sind jedes Jahr zahlreiche Überfälle und Schiffsentführungen zu verzeichnen. Moderne Seeräuber sind üblicherweise professionell in Banden organisiert und operieren von den sogenannten Mutterschiffen aus. Bewaffnet mit Panzerfäusten und Maschinenpistolen starten sie hier mittels Schnellbooten ihre Raubzüge.

Gelingt es den Piraten, ein Schiff zu kapern, wird dieses vor die Küste gebracht. Dort wird das Schiff mitsamt seiner Besatzung meist solange festgehalten, bis das geforderte Lösegeld bezahlt wurde. Dabei sind Piraten für ihren wenig zimperlichen Umgang bekannt.

Vollständig ausschließen lässt sich das Risiko eines Piratenangriffs letztlich nicht, aber es können zumindest Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz vor einer Attacke getroffen werden. 

Einige effektive Maßnahmen, um sich vor Piraten zu schützen,
listet die folgende Übersicht auf:
 
 

Gefährliche Gebiete meiden.

Eine scheinbar banale, aber sehr effektive Methode besteht darin, gefährliche Gebiete zu meiden. Vor allem große Reedereien nehmen mitunter größere Umwege in Kauf, um ihre Schiffe nicht durch Gebiete zu schicken, die als Piratenreviere bekannt sind.

Allerdings lassen die längeren Routen die Transportkosten enorm in die Höhe schnellen.

Für die Handelsschifffahrt kommt diese Methode daher nur bedingt in Frage. Eine Alternative kann deshalb sein, auf die Hilfe von Marineeinheiten zurückzugreifen. In Risikogebieten sind Marineschiffe stationiert und ihre Aufgabe besteht unter anderem darin, andere Schiffe bei der Durchfahrt der Gewässer zu schützen. Hierfür müssen sich die Kapitäne einige Tage vorher bei der Einssatzzentrale melden. Die Schiffe durchqueren dann im Konvoi und begleitet von der Marine die riskante Passage. Problematisch ist aber, dass Reedereien diese Möglichkeit nicht immer nutzen können.

Gründe hierfür können beispielsweise sein, dass die beteiligten Schiffe mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterwegs sind, verschiedene Zielhäfen ansteuern oder schlichtweg Termindruck besteht. 

Kapitäne und Besatzungen schulen.

Kapitäne und Crews sollten gut vorbereitet sein und das richtige Verhalten für den Ernstfall trainiert haben. Die wichtigsten Punkte im Schulungslehrplan sind das Erkennen und Umgehen von Risikosituationen sowie das Einleiten von Ausweichmanövern.

Außerdem sollten Schiffsbesatzungen wissen, wie die verschiedenen Piratengruppen vorgehen, und lernen, gefährliche Kontakte möglichst früh zu identifizieren. Ein hilfreiches Werkzeug bei der Durchfahrt von Risikogebieten ist die sogenannte Pirateriekarte. Sie wird vom Internationalen Schifffahrtsbüro zur Verfügung gestellt und erfasst alle Piratenangriffe. Der Kapitän kann sich so tagesaktuell darüber informieren, wo und in welcher Form Attacken verzeichnet wurden. 

Scheinwerfer, Wasser und Strom als Waffen einsetzen.

Das oberste Ziel muss sein, zu verhindern, dass die Seeräuber an Bord kommen. Aus diesem Grund sollten Wachen an Deck positioniert sein, die permanent Ausschau halten, mögliche Angriffe frühzeitig ausmachen und das Schiff im Bedarfsfall verteidigen.

Nach Ansicht vieler Experten ist es allerdings nicht ratsam, Schiffsbesatzungen mit Schusswaffen zur Verteidigung auszustatten, denn das Risiko, dass die Situation dadurch eskaliert, ist zu hoch. Sinnvoller scheint es, starke Scheinwerfer und Nachtsichtgeräte, Wasser und Strom als Verteidigungsmittel einzusetzen. Starke Scheinwerfer oder Nachtsichtgeräte helfen dabei, angreifende Schnellboote bei schlechtem Wetter oder bei Dunkelheit schneller zu entdecken. Scheinwerfer können Angreifer zudem blenden und abschrecken. Wasser kann als Verteidigungsmittel genutzt werden, indem die Ballasttanks damit befüllt und die Löschschläuche auf vollen Druck eingestellt werden.

Der harte Wasserstrahl, der im Bedarfsfall aus den Schläuchen kommt, kann Angreifer daran hindern, auf das Schiff zu kommen, oder sie notfalls auch über Bord spülen. Ist das Schiff mit einem elektrischen Zaun ausgestattet, wird Piraten der Zutritt ebenfalls erschwert. 9.000 Volt sorgen zuverlässig dafür, dass Seeräuber keine Aluminiumleitern oder Enterhaken anbringen können. Gleichzeitig ist ein solcher Stromschlag nicht tödlich.

Ein elektrischer Zaun kann allerdings auch zur Unfallquelle für die Besatzung werden und bei entflammbarer Ladung ist eine Absicherung mittels elektrischem System nicht möglich. In diesem Fall kann ein Stacheldrahtzaun eine hilfreiche Alternative sein. In jüngerer Zeit setzen Reedereien zudem vermehrt auf Sicherheitsteams. Diese bestehen aus speziell geschultem Personal, das für die Sicherheit an Bord zuständig ist und sich gegebenenfalls um die Verteidigung kümmert.

Statistiken zufolge ist bislang noch kein Schiff, bei dem ein Sicherheitsteam an Bord war, entführt worden. Allerdings hat diese Form der professionellen Absicherung auch einen mitunter stolzen Preis.    

Im Ernstfall richtig verhalten.

Ist es Piraten gelungen, an Bord zu kommen und das Schiff einzunehmen, kann es überlebenswichtig sein, sich richtig zu verhalten. Experten raten dazu, die Verteidigung aufzugeben und sich stattdessen kooperativ zu zeigen. Hilfreich ist es aber, wenn das Schiff mit einem Routenkontrollgerät ausgestattet ist, das die Schiffsbewegungen aufzeichnet.

Ein Routenkontrollgerät ist eine kleine Box, die überall auf dem Schiff installiert werden kann und nicht gewartet werden muss. Das Gerät sendet unbemerkt permanent die Positionsdaten, wodurch im Fall einer Entführung schnell festgestellt werden kann, wo sich das Schiff aktuell befindet. Zur Absicherung ist es außerdem empfehlenswert, eine Versicherung abzuschließen.

Eine sogenannte Piraterie- oder Kriegsfolgenversicherung schließt Piratenangriffe mit ein und kann so zumindest die finanziellen Folgen für Reeder und Besatzung abfedern.

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