Mit Walhaien schwimmen

Mit Walhaien schwimmen

Wer unvergessliche Momente erleben und gleichzeitig der Wissenschaft helfen möchte, sollte mit Walhaien schwimmen gehen.

Der Taucher gleitet gemächlich durch das angenehm warme Wasser. Auf einmal taucht ein Schatten auf. Und kurz darauf sieht der Taucher, wie ein riesiger, grau-blauer, hübsch gepunkteter Fisch sanft in seine Richtung gleitet. – So oder so ähnlich könnte die Begegnung mit einem Walhai verlaufen. Auf jeden Fall wird der Taucher aber etwas erleben, das er nie wieder vergessen wird.

 

Was sollte beim Schwimmen mit Walhaien beachtet werden?

Wenn der Taucher einen Walhai sichtet, kann ihm das im ersten Moment durchaus Respekt einflössen. Immerhin kann ein Walhai bis zu 13 Meter lang sein und um die zwölf Tonnen wiegen. Der Walhai ist nämlich nicht nur der größte bekannte Hai, sondern gilt als der größte Fisch in den bisher erforschten Meeresgebieten.

Dem Meeresriesen wird ein sanftes Wesen bescheinigt. Und auch wenn sein riesiges Maul so wirkt, als könne er den Taucher einfach so einsaugen, muss der Taucher keine Angst haben, als Futter zu enden. Denn Walhaie ernähren sich in erster Linie von Plankton.

Zugegeben, sie fressen viel, sehr viel Plankton. Doch der Mensch steht definitiv nicht auf ihrem Speisezettel. Allerbeste Freunde werden Menschen und Walhaie deshalb aber trotzdem nicht unbedingt. Ein Walhai ist kein Kuscheltier und das Meer kein Streichelzoo. Aus diesem Grund sollte der Taucher auf gar keinen Fall versuchen, den Meeresriesen anzufassen.

Stattdessen sollte er einen Sicherheitsabstand einhalten. Der Abstand dient einerseits der Sicherheit des Walhais und schützt andererseits den Taucher selbst. Denn wenn der Meeresgigant seine riesige Flosse bewegt, sollte der Taucher besser nicht im Weg sein.

So bedrohlich wie das alles jetzt klingt, ist es aber nicht. Wer schon einmal einem Walhai begegnet ist, der weiß, dass die Meerestiere keineswegs beängstigend wirken. Vielmehr scheint es so, als wollten die außergewöhnlichen Tiere mit einer anmutigen Eleganz beeindrucken, wenn sie sanft durch das Wasser gleiten. Und wenn sich der Taucher dem Walhai anschließt und im Einklang mit ihm ein paar Meter durch die unendlichen blauen Weiten zurücklegen, wird er unvergessliche Momente erleben.

 

Wo kann der Taucher mit Walhaien schwimmen?

Der Walhai mag es gerne warm. Er schwimmt bevorzugt in Gewässern, die eine Temperatur zwischen 21 und 25 Grad Celsius haben. Außerdem steuert er gerne Gebiete an, in denen er reichlich Plankton findet.

Dabei legt ein Walhai zwar oft sehr weite Strecken zurück, schaut aber immer wieder auch an seinem Geburtsort vorbei. Vor allem in den Regionen rund um den Äquator stehen die Chancen gut, einem Walhai zu begegnen. Die folgende Tabelle listet einige Spots auf, an denen regelmäßig Walhaie gesichtet werden.

 

Wo? Wann?
Halbinsel Yucatan, Mexiko Mai bis September
Donsol im Süden der philippinischen Hauptinsel Dezember bis Mai
Ningaloo Riff, Australien April bis Juli
Seychellen August bis November
Karibik fast ganzjährig

 

Daneben wurden Walhaie auch schon vor dem thailändischen Koh Tao, im South Ari Atoll der Malediven, am Tofo Beach in Mosambik und vor Belize gesichtet. Mit sehr viel Glück kann der Taucher sogar im Roten Meer in Ägypten in der Zeit zwischen Mai und Juli auf Walhaie treffen.

Ist der Taucher vor Ort, fragt er am besten bei einer der örtlichen Tauchschulen nach. Dort kann er sich nicht nur die Tauchrüstung ausleihen. Stattdessen können die Tauchlehrer die richtigen Stellen empfehlen und den Taucher über die Tiere und das angemessene Verhalten im Wasser informieren. Die Tauchschule, mit der der Taucher den Tauchgang unternimmt, sollte er aber aus zwei Gründen sehr sorgfältig und mit Bedacht auswählen.

Der erste Grund ist, dass Walhaie zu den Tierarten gehören, die vom Aussterben bedroht sind. Menschen, die massenweise die Meere stürmen, stören den natürlichen Rhythmus der Tiere. Die Folge davon ist, dass sich die Meeresriesen immer weiter zurückziehen.

Der zweite Grund ist, dass eine große, auf Tourismus ausgelegte Tauchschule oft recht viele Gäste zu einem Ausflug mitnimmt. Dadurch sinken die Chancen auf ein einmaliges Erlebnis deutlich. Der Taucher sollte sich deshalb besser für eine kleinere Tauchschule entscheiden, die respektvoll mit der Natur umgeht und sich den Schutz der Meeresbewohner auf die Fahnen geschrieben hat. So wird der Tauchgang zu einem positiven Erlebnis für den Taucher und den Walhai.

 

Warum hilft die Begegnung mit einem Walhai der Wissenschaft weiter?

Ob das Schwimmen mit Delfinen, das Tauchen mit Haien oder das Beobachten von Walen: Wenn Erlebnisse mit Meeresbewohnern touristisch vermarktet werden, hat das immer einen negativen Beigeschmack. Beim Schwimmen mit Walhaien ist das anders.

Um die Meeresriesen zu erforschen, müssen sie markiert oder zumindest beobachtet und sicher wiedererkannt werden. Genau das stellte die Wissenschaftler aber vor eine große Herausforderung. Denn die Walhaie sahen sich entweder zum Verwechseln ähnlich und konnten deshalb nicht eindeutig identifiziert werden.

Oder sie tauchten in Gruppen auf. Oder sie tauchten so tief ab, dass kein Sensor angebracht werden konnte. Einige Walhaie waren aber auch schlichtweg zu groß, um sie für eine Kennzeichnung kurzzeitig einzufangen. Im Laufe der Zeit erkannten die Wissenschaftler dann, dass die Punkte, die neben der grau-blauen Färbung und den Streifen für Walhaie charakteristisch sind, nicht einfach nur ein Muster sind. Stattdessen sind diese Punkte bei jedem Walhai einzigartig und damit so etwas wie der Fingerabdruck beim Menschen.

Allerdings ist das individuelle Muster mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Also kamen die Wissenschaftler auf die Idee, den gleichen Algorithmus anzuwenden, mit dem auch Sternbilder entschlüsselt werden. Damit war es nun endlich möglich, die Tiere eindeutig zu identifizieren und ihr Verhalten zu beobachten.

Und jetzt kommt der Taucher ins Spiel. Um möglichst viele Walhaie an möglichst vielen Orten erfassen zu können, wurde eine Datenbank angelegt. Jeder Taucher, der einen Walhai gesichtet hat, kann ein Foto mit Angaben zum Zeitpunkt und Ort der Begegnung hochladen.

Die Wissenschaftler werten den Eintrag anschließend aus. Auf diese Weise kann der Taucher also nicht nur ein spannendes Erlebnis für sich verzeichnen, sondern auch dabei helfen, die außergewöhnlichen Meeresriesen zu erforschen.

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Redakteure

Hier schreiben Gerry Maissen, 37 Jahre alt, Tauchlehrer und Wassersportler, Nadine Schumann, geboren 1989, Kanu und Kayak Sportlerin, die viel auf Reisen ist, sowie Herbert Motzki 54 Jahre, Geschäftsführer einer Bootbau- und Handelsfirma. Wir möchten Wissenswertes zum Wassersport, schönen Reisezielen und Tauchgebieten, sowie Technisches und Anforderungen für jegliche Schifffahrt vermitteln.

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