Darum mangelt es vielen Kindern an Schwimmfähigkeiten, Teil I
Ausgelassen planschen, rutschen, schwimmen und tauchen: Der Gedanke an die Sommer im Freibad oder am Baggersee ruft bei uns meist positive Erinnerungen an unsere Kindheit und Jugend hervor. Doch immer mehr Kinder werden solche Erinnerungen später nicht haben. Denn solide Schwimmfähigkeiten werden zunehmend zur Mangelware.

Die Zahl der Kinder, die sicher schwimmen können, ist seit Jahren rückläufig. Gründe dafür gibt es viele. Umgestellte Lehrpläne, Personalmangel oder fehlende Kursangebote zählen genauso dazu wie geschlossene Schwimmbäder oder veränderte Lebensgewohnheiten.
Alarmierend ist dieser Trend deshalb, weil es beim Schwimmen nicht nur um ein reines Freizeitvergnügen oder die körperliche Fitness geht.
Vielmehr ist das Schwimmen auch eine Frage der gesundheitlichen Entwicklung und vor allem der Sicherheit. Die Schwimmfähigkeit kann im Ernstfall zum Lebensretter werden.
In einem zweiteiligen Beitrag beleuchten wir die Ursachen, die Folgen und mögliche Lösungen für das wachsende Schwimmdefizit. Außerdem geben wir Anregungen, was du als Elternteil unternehmen kannst.
Inhalt
Der Mangel bei Kindern an Schwimmfähigkeiten
Es scheint fast so, als würde das Schwimmenlernen im kindlichen Alltag kaum noch eine Rolle spielen. Was in früheren Generationen selbstverständlich zur Kindheit dazugehörte, wird heute zunehmend zur Ausnahme.
Studien zufolge sind weit über die Hälfte der sechs- bis zehnjährigen Kinder am Ende der Grundschulzeit keine sicheren Schwimmer. Und etwa 20 Prozent der Kinder aus dieser Altersgruppe können gar nicht schwimmen.
Experten schlagen angesichts solcher Zahlen Alarm. Sie fordern, das Schwimmen genauso als Grundkompetenz zu behandeln wie das Lesen oder das Schreiben. Denn Unsicherheit im Wasser kann lebensgefährliche Konsequenzen haben.
Dass viele Kinder heute nicht mehr schwimmen lernen, hat verschiedene Gründe. Ein Hauptgrund ist der massive Rückgang an öffentlichen Schwimmbädern.
In vielen Gemeinden wurden Hallen- und Freibäder geschlossen, weil der Betrieb zu teuer war oder die Mittel für eine dringend notwendige Sanierung fehlten. Vor allem in strukturschwachen oder ländlichen Regionen kann das Schwimmenlernen so zur logistischen Herausforderung oder schlicht unmöglich werden.
Gleichzeitig hat der schulische Schwimmunterricht massiv an Bedeutung verloren. Vielerorts ist er auf dem Stundenplan nicht mehr zu finden, entweder weil das Personal fehlt oder weil es im näheren Umkreis kein Bad gibt.
Doch wenn die Kinder in der Schule nicht schwimmen lernen, müssten die Eltern, private Anbieter und Vereine die Lücken füllen.
Das Problem dabei ist, dass sich einkommensschwache Familien oft einfach nicht leisten können, regelmäßig ins Schwimmbad zu gehen oder einen Schwimmkurs zu bezahlen. Statistiken belegen, dass fast jedes zweite Kind aus einem einkommensschwachen Haushalt nicht schwimmen kann.
Auch die Corona-Pandemie hat zum Schwimmdefizit beigetragen. In dieser Zeit fiel der Schwimmunterricht komplett aus und Kurse, die damals abgesagt wurden, wurden später oft nicht mehr nachgeholt. Die Folge ist eine Generation an Nichtschwimmern, die es bis heute geblieben sind.
Nicht zuletzt spielt die Digitalisierung eine Rolle. Statt sich zu bewegen und draußen zu spielen, verbringen Kinder immer mehr Zeit im Sitzen vor einem Bildschirm. Dadurch gehen einerseits motorische Fähigkeiten verloren.
Andererseits entwickeln die Kinder kein Selbstvertrauen, sich in unbekannten und körperlich herausfordernden Umgebungen wie dem Wasser sicher zu bewegen.
Viele Eltern hingegen trauen sich nicht zu, ihrem Kind das Schwimmen in Eigenregie beizubringen. Deshalb wird das Schwimmenlernen immer wieder aufgeschoben, bis die Motivation irgendwann komplett fehlt.

Diese Gefahren bringen fehlende Schwimmkenntnisse mit sich
Kann ein Kind nicht schwimmen, kann aus einem harmlosen Ausflug ins Schwimmbad oder an den Badesee schnell eine echte Gefahrenquelle werden. Das Ertrinken gehört bei Kindern zu den häufigsten Unfällen mit tödlichem Ausgang.
Besonders tückisch dabei ist, dass das Ertrinken oft lautlos geschieht. Selbst in seichtem Wasser können Kinder innerhalb weniger Sekunden untergehen, ohne dass sie dabei durch laute Hilferufe oder wildes Strampeln auf sich aufmerksam machen.
Ein Trugschluss ist, dass mit Schwimmflügeln, Schwimmreifen, Luftmatratzen, Poolnudeln und ähnlichen Utensilien nichts passieren kann. Sie vermitteln eine trügerische Sicherheit, weil sie den Eindruck erwecken, das Kind könne damit nicht untergehen.
In Wahrheit können sie aber die Fähigkeit, sich tatsächlich alleine über Wasser zu halten, keineswegs ersetzen.
Neben der akuten Gefahr des Ertrinkens ist ein weiteres Problem, dass sich fehlende Schwimmfähigkeiten langfristig auf das Selbstbewusstsein und die soziale Teilhabe auswirken.
Kann ein Kind nicht schwimmen, fühlt es sich im Sportunterricht und bei Ausflügen mit Gleichaltrigen oft ausgegrenzt. Steht eine Klassenfahrt an, bei der der Besuch eines Schwimmbads oder Wassersport geplant ist, verzichtet es lieber auf die Teilnahme.
Möchten die Freunde an den See, machen sich Unsicherheit und Bedenken breit. All das kann in eine soziale Isolation führen, die weit über das Wasser hinausgeht.
Ein anderer Aspekt ist, dass fehlende Schwimmfähigkeiten negativen Einfluss auf die Koordination und das Bewusstsein für den eigenen Körper haben können.
Das Schwimmen bezieht den ganzen Körper mit ein und trainiert die Ausdauer, die Muskelkraft und eine kontrollierte Atmung. Lernt ein Kind das Schwimmen nicht, entgeht ihm ein wichtiger Baustein für die gesunde körperliche Entwicklung.
Erschwerend kommt dazu, dass es mit zunehmendem Alter schwieriger wird, noch schwimmen zu lernen. Das liegt daran, dass ein junges Kind oft spielerisch und unbeschwert an die Sache herangeht. Im Jugend- und Erwachsenenalter hingegen treten eher Ängste und Schamgefühle auf.
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Thema: Darum mangelt es vielen Kindern an Schwimmfähigkeiten, Teil I
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