Tauchen mit Handicap – Infos und Tipps

Tauchen mit Handicap – Infos und Tipps

Das Tauchen ist ein faszinierender Sport. Doch was ist, wenn jemand ein Handicap hat? Eine Behinderung steht dem Tauchen nicht im Wege. Ganz im Gegenteil.

Durch beeindruckende Unterwasserwelten gleiten, farbenprächtige Korallenriffe beobachten, mit bunten und exotischen Fischen um die Wette schwimmen, in alten Schiffswracks stöbern oder mysteriöse Unterwasserhöhlen erkunden: Das Tauchen übt seit jeher eine besondere Faszination auf den Menschen aus.

Und wenn es schon der Alltag nicht immer zulässt, sich diesem Hobby ausgiebiger zu widmen, so nutzen viele zumindest den Urlaub, um einen Tauschschein zu machen und das eine oder andere Mal in die Tiefen des Meeres abzutauchen.

Aber was ist mit Menschen, die durch eine Erkrankung oder nach einem Unfall körperlich eingeschränkt sind? Müssen sie auf diesen faszinierenden Sport verzichten? Oder ist es möglich, mit Handicap zu tauchen? Ja, es ist möglich! Mit dem sogenannten Behindertentauchen eröffnet sich für Menschen mit Behinderung die Möglichkeit, das Tauchen zu lernen und Qualifikationen zu erwerben.

Die wichtigsten Infos und Tipps zum Tauchen mit Handicap haben wir in diesem Beitrag zusammengestellt:

 

Barrierefreies Wasser

Unter Wasser können sich behinderte und nichtbehinderte Menschen ähnlich gut fortbewegen. Die physikalischen Eigenschaften des Wassers schaffen einen praktisch barrierefreien Raum. Der Taucher schwebt schwerelos durch das Wasser und kann so nicht nur ein ungewohntes Körpergefühl erleben, sondern auch ein Stück Freiheit genießen.

So wird beispielsweise eine Querschnittslähmung, die im Alltag an Land in vielen Situationen zur Hürde werden kann, unter Wasser nahezu aufgehoben. Denn der Betroffene kann selbstständig schwimmen. Nur paddelt er eben nicht mit den Füßen, sondern benutzt seine Arme.

Mit dem Behindertentauchen wurden Ausbildungen und Zertifikationsprogramme eingeführt, die verschiedene körperliche Einschränkungen wie Lähmungen, Blindheit oder Taubheit berücksichtigen. Lediglich bei geistigen Behinderungen gibt es Einschränkungen. Es gibt zwar inzwischen auch Tauchkurse für geistig behinderte Menschen. Allerdings beschränkt sich das Tauchen hier meist auf Schwimmbäder oder geringe Wassertiefen. Zudem setzt das Tauchen voraus, dass das Herz-Kreislauf-System, die Atemwege, die Nasennebenhöhlen und die Ohren in Ordnung sind. Das wiederum gilt aber für alle Taucher.

 

Individuelle Tauchausbildung

Die Ausbildungsanforderungen an einen Taucher mit Handicap sind keineswegs geringer. Ganz im Gegenteil sind sie sogar etwas höher als bei einem nichtbehinderten Taucher.

Denn trotz seiner Einschränkungen muss der Taucher den gleichen Sicherheitsstandard einhalten. Für den Taucher mit Handicap kann das bedeuten, dass er für ein sicheres Tauchen andere, umfangreichere oder anspruchsvollere Techniken lernen muss als ein gesunder Gerätetaucher. Gleichzeitig heißt das aber auch, dass die Ausbildung eines Sporttauchers mit Handicap immer eine individuelle Sache ist.

 

Drei Levels

Ein wesentlicher Aspekt des Sicherheitskonzeptes ist, den behinderten Sporttaucher richtig einzustufen. Dafür wurden Richtlinien entwickelt. Je nachdem, wie selbstständig der Taucher ist, ob er sich selbst und seinem Tauchpartner im Notfall helfen kann und welche Begleitung er benötigt, gibt es drei verschiedenen Levels.

Je nach Tauchorganisation heißen die Level unterschiedlich. Inhaltlich stimmen sie jedoch überein und werden weltweit anerkannt.

 

Level A / 1

Level A oder 1 bedeutet, dass der Taucher alle Tauchübungen erfolgreich absolviert hat. Er braucht keine oder kaum Hilfe beim Transfer und beim Anlegen der Tauchausrüstung. Zudem taucht er vollkommen selbstständig und ist in der Lage, sowohl sich selbst als auch seinem Tauchpartner in einer Notsituation zu helfen. Ein Taucher mit Level A oder 1 kann mit einem Tauchpartner tauchen gehen.

 

Level B / 2

Level B oder 2 besagt, dass der Taucher Hilfe beim Anziehen und beim Transfer braucht. Ansonsten taucht er sicher und selbstständig. In einer Problemsituation kann er sich selbst helfen. Seinen Tauchpartner kann er jedoch weder retten noch bergen. Ein Taucher mit Level B oder 2 braucht bei seinem Tauchgang Begleitung von zwei Tauchpartnern, die mindestens Level A haben.

 

Level C / 3

Level C oder 3 heißt, dass der Taucher die Tauchübungen absolviert hat und sicher tauchen kann. Allerdings taucht er nicht völlig selbstständig. Außerdem ist er nicht in der Lage, sich in einer Notsituation selbst zu helfen oder sich alleine aus einer Problemsituation zu befreien.

Deshalb muss ein Taucher in Level C oder 3 immer von zwei Tauchpartnern begleitet werden. Einer dieser Tauchpartner muss mindestens Level A haben, der andere Tauchpartner muss ein zertifizierter Tauchlehrer mit Zusatzausbildung im Behindertentauchen sein oder wenigstens eine Rettungsausbildung haben.

 

Sicheres Tauchen

Im Tauchkurs wird der Taucher auf sichere Tauchgänge vorbereitet. Ebenso wie ein nichtbehinderter Taucher lernt er den richtigen Umgang mit der Tauchausrüstung und das richtige Verhalten im Wasser. Er lernt die Atmung und eignet sich Techniken kann, wie er trotz Lähmungen oder anderen Handicaps schwimmen, sich im Wasser fortbewegen, ab- und auftauchen kann.

Außerdem werden die verschiedenen Problemsituationen angesprochen, die auftreten können. Dadurch lernt der Taucher, wie er sich im Notfall richtig verhält. Neben dem selbstständigen Tauchen mit Behinderung steht auch auf dem Lehrplan, wie der Taucher seinem Partner helfen kann, falls er in eine Notsituation gerät.

Übrigens richten sich die Tauchkurse nicht nur an behinderte Taucher. Auch gesunde Taucher können die Kurse absolvieren und sich so als Tauchpartner beim Behindertentauchen ausbilden lassen.

 

Tauchen weltweit

Die Tauchgänge finden in Frei- und Hallenbädern, in Seen und Gewässern und teilweise auch im Meer statt. Die verschiedenen Tauchverbände organisieren regelmäßig Trainings, Ausflüge zu Tauchspots und auch Tauchreisen rund um den Globus. Zumindest was das Tauchen angeht, behindert ein Handicap das Tauchen somit heutzutage nicht mehr.

Die weltweit größte Organisation im Bereich des Behindertentauchens ist die Handicapped Scuba Association, kurz HSA. In Deutschland gibt es zudem die International Disabled Divers Association, kurz IDDA, und den Förderverein des Behindertentauchens in Deutschland e.V. Hier findet der interessierte Wassersportler viele weitere Infos.

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